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Humanoiden in der Industrie: wer sie schon real eingesetzt hat

Überblick über die tatsächlichen Pilot-Einsätze humanoider Roboter in Fertigung und Logistik per Juni 2026 — was belegte Tatsache ist und was nur Marketing-Video.

Humanoide Roboter füllen Schlagzeilen und sorgen für eindrucksvolle Videos. Die Frage, die sich aber eine Firma stellen muss, die über diese Technologie nachdenkt, lautet anders: Wer hat einen Humanoiden schon real in den Betrieb gebracht und wer hat nur ein hübsches Demo gedreht? Dieser Überblick geht die am besten belegten Einsätze per Juni 2026 durch und unterscheidet bei jedem, was harte Tatsache ist und was Marketing.

Die entscheidende Unterscheidung: Ein Pilot bedeutet einen echten, aber zeitlich begrenzten Test im realen Betrieb. Ein kommerzieller Einsatz bedeutet, dass der Roboter dauerhaft bezahlte Arbeit leistet. Ein Demo ist ein gedrehtes Video ohne Einsatz. Die meisten heutigen „Einsätze” sind Pilotprojekte — und das ist in Ordnung, nur sollten wir sie nicht mit flächendeckendem Betrieb verwechseln.

Figure + BMW: der am besten belegte Pilot

Das transparenteste Beispiel kommt von Figure und dem Autobauer BMW. Im BMW-Werk in Spartanburg (USA) lief ein Pilotprojekt, das sowohl BMW als auch Figure mit konkreten Zahlen beschrieben haben: Der Roboter Figure 02 assistierte über rund zehn Monate bei der Fertigung von mehr als 30.000 BMW X3, arbeitete in Zehnstundenschichten von Montag bis Freitag, bewegte über 90.000 Teile und legte rund 1,2 Millionen Schritte in etwa 1.250 Betriebsstunden zurück.

Die Aufgabe bestand darin, Blechteile für die Verschweißung präzise zu entnehmen und einzulegen — eine körperlich anspruchsvolle und sich wiederholende Operation. Nach Einführung des neuen Modells Figure 03 zog Figure den älteren 02 aus BMW ab, und beide Seiten werten die weitere Nutzung der neuen Generation aus.

Urteil: Tatsache. Konkrete, überprüfbare Zahlen von beiden Seiten. Dennoch handelte es sich um einen zeitlich begrenzten Pilot einer einzigen Aufgabe, nicht um eine flächendeckende Ersetzung von Arbeitern.

Apptronik + Mercedes-Benz, GXO und Jabil

Apptronik geht mit seinem Roboter Apollo den Weg mehrerer Partner gleichzeitig. Mit Mercedes-Benz schloss es 2024 eine Vereinbarung und begann einen Piloten, in dem Apollo erprobt, Teile zur Fertigungslinie zu liefern und Komponenten zu kontrollieren. Parallel testet Apollo auch beim Logistikunternehmen GXO und beim Fertigungspartner Jabil — bei Aufgaben wie dem Entladen von Aufliegern, dem Umgang mit Paletten und der Belieferung der Linie.

Urteil: Tatsache, aber früh. Partnerschaften und Piloten sind durch Pressemitteilungen belegt. Es handelt sich jedoch um erkundenden Einsatz („wir testen, ob er es schafft”), nicht um einen Roboter in Vollzeit im Serienbetrieb.

Agility Digit + GXO und Amazon: der erste bezahlte Betrieb

Agility Robotics und ihr Digit halten eine interessante Erstplatzierung. Nach einem Proof-of-Concept-Piloten Ende 2023 im GXO-Lager bei Atlanta unterzeichneten beide Firmen eine mehrjährige Vereinbarung, die als überhaupt erster formaler kommerzieller Einsatz von Humanoiden und als erster Einsatz von Humanoiden im Modell Robots-as-a-Service (RaaS) beschrieben wird — GXO zahlt für die Dienstleistung des Digit. Separat testete Digit seit 2023 auch bei Amazon (Recycling von Transportkisten).

Urteil: am nächsten am echten kommerziellen Betrieb. Die Existenz eines bezahlten mehrjährigen Vertrags und des RaaS-Modells rückt Digit aus der Kategorie „Pilot” hin zum „kommerziellen Einsatz”. Dennoch handelt es sich um klar abgegrenzte Aufgaben und begrenzte Stückzahlen, nicht um Tausende Roboter.

UBTech Walker S1/S2 + chinesische Autobauer

Den breitesten Umfang an Partnerschaften meldet das chinesische UBTech. Sein Walker S1 und der neuere Walker S2 durchliefen Training und Einsatz bei einer Reihe von Autobauern: BYD (Handhabungsaufgaben), Geely (Zeekr-Fahrzeuge, Einsatz einer ganzen Flotte in der intelligenten 5G-Fabrik in Ningbo), Audi-FAW sowie FAW-Volkswagen, und eine strategische Partnerschaft mit Foxconn, wo Walker ein zweimonatiges Training im Werk in Shenzhen absolvierte.

UBTech gibt zudem an, dass die Bestellungen der Walker-Reihe 800 Millionen Yuan (rund 112 Millionen Dollar) überschritten haben und Walker S2 in die Serienfertigung eingetreten ist.

Urteil: Tatsache mit Fragezeichen über dem Umfang. Einsätze und Partnerschaften sind belegt. Bei chinesischen Angaben ist es jedoch oft schwerer, den realen täglichen Betrieb von den Trainings- und Vorführphasen zu trennen — seien Sie vorsichtig bei Behauptungen über eine „voll eingesetzte Flotte”.

Sanctuary AI + Magna

Das kanadische Sanctuary AI und sein Roboter Phoenix setzten auf den Automobilzulieferer Magna. Die strategische Partnerschaft vom April 2024 sieht vor, die Fertigungsbetriebe von Magna mit universellen Robotern auszustatten und künftig auch, dass Magna Phoenix im Auftrag fertigt. Sanctuary legt Wert auf das schnelle Erlernen neuer Aufgaben (in der Größenordnung von bis zu 24 Stunden) und auf die geschickte Manipulation kleiner Teile.

Urteil: belegte Partnerschaft, Vorsicht beim Umfang. Die Zusammenarbeit ist real, die Firma durchlief 2024 jedoch auch einen Wechsel in der Führung. Konkrete Betriebszahlen vom Typ „wie viele Fahrzeuge / wie viele Stunden” sind nicht so öffentlich belegt wie beim Duo Figure–BMW.

Fakten vs. Hype: wie man Meldungen über Einsätze liest

Beim Lesen von Artikeln über „Humanoiden in Fabriken” helfen ein paar Filter:

Zusammenfassung

Per Juni 2026 gilt: Humanoiden in der Industrie sind nicht mehr nur Science-Fiction, aber auch nicht alltägliche Realität. Am besten belegt ist der Pilot von Figure 02 bei BMW mit konkreten Zahlen. Am nächsten am echten kommerziellen Betrieb ist Agility Digit bei GXO dank des bezahlten RaaS-Vertrags. Apptronik Apollo, UBTech Walker und Sanctuary Phoenix haben reale Partnerschaften, aber unterschiedlich stark belegten Umfang. Eines haben sie gemeinsam: Es handelt sich um Piloten und erste kommerzielle Schritte, nicht um flächendeckenden Einsatz. Wer die Parameter dieser Roboter vergleichen will, findet sie im Katalog und im Vergleich.

Quellen