Knapp ein Jahr nachdem Figure AI unter dem Namen Project Go-Big still damit begonnen hatte, menschliche Videos in Roboterverhalten zu übersetzen, tritt das Unternehmen mit der Plattform Index aus dem Verborgenen. Es handelt sich um eine Consumer-App für iOS und Android, die den zentralen Engpass der physischen Robotik umgehen soll — den Mangel an Daten über echte Interaktion mit der physischen Welt — indem sie diese von Smartphone-Nutzern weltweit einsammelt. Laut Gründer und CEO Brett Adcock soll Index die Architektur Helix mit jenen vielfältigen physischen Interaktionen versorgen, die sie für die Verallgemeinerung auf ungesehene Aufgaben benötigt.
Das Modell funktioniert in beide Richtungen. Sogenannte Creator filmen sich bei alltäglichen Tätigkeiten im Haushalt oder bei der Arbeit und werden dafür bezahlt. Alternativ bucht ein Nutzer über die App eine Arbeitskraft, die die Aufgabe vor Ort erledigt und dabei Aufnahmen aus der Ich-Perspektive liefert. In vier Monaten im Stealth-Modus kam die Plattform auf 264 000 Downloads in 108 Ländern, über 44 000 wöchentlich aktive Nutzer und 16 Millionen hochgeladene Videos. Das entspricht rund dreißig Minuten Videomaterial pro Sekunde.
Die Aufnahmen durchlaufen eine fünfstufige Verarbeitung: Filterung, Betrugsprüfung, Entfernung von Duplikaten, Ausbalancierung des Datensatzes und hierarchische Annotation. Figure hat bislang 15 Millionen Dollar an Beitragende ausgezahlt und sich verpflichtet, in den kommenden zwölf Monaten über eine Milliarde Dollar in Datenerfassung und Rechenkapazität zu investieren.
Gegenüber den etablierten Wegen — Teleoperation des Roboters, manuelles Führen seiner Glieder oder synthetische Simulation — bietet Crowdsourcing Vorteile bei der Breite der Umgebungen und beim Tempo. Offen bleibt, wie gut sich per Smartphone gefilmte menschliche Bewegung auf eine Maschine mit abweichender Kinematik übertragen lässt.