Die Schutzart IP (vom englischen ingress protection) ist ein international genormter Code, der angibt, wie gut ein Gerät gegen das Eindringen von Festkörpern und Wasser geschützt ist. Definiert wird sie durch die Norm IEC 60529, und man begegnet ihr bei Telefonen, Uhren und Elektronik. Bei Robotern sagt sie aus, in wie anspruchsvoller Umgebung sie arbeiten können — ob sie Staub in der Fabrik oder Regen im Freien vertragen oder im sauberen Trockenen bleiben müssen.
Der Code hat die Form der Buchstaben IP gefolgt von zwei Ziffern. Die erste Ziffer (0 bis 6) gibt den Schutz gegen Festkörper und Staub an: Stufe 6 bedeutet vollständige Staubdichtheit. Die zweite Ziffer (0 bis 9) gibt den Schutz gegen Wasser an: niedrigere Werte gegen tropfendes und spritzendes Wasser, höhere dann gegen Wasserstrahlen und Untertauchen. So bedeutet etwa IP65 ein vollständig staubdichtes Gerät, das gegen Strahlwasser aus beliebiger Richtung geschützt ist, während IP67 die Beständigkeit gegen kurzzeitiges Untertauchen in eine Tiefe von etwa einem Meter kennzeichnet. Wenn der Hersteller eine Eigenschaft nicht getestet hat, ersetzt er die entsprechende Ziffer durch den Buchstaben X (zum Beispiel IPX4).
Für humanoide Roboter ist die Schutzart ein praktischer Indikator der Einsatzfähigkeit. Die meisten heutigen Humanoiden sind empfindliche Forschungs- oder Pilotmaschinen voller sensibler Elektronik, Aktuatoren und Akkus und halten sich deshalb in sauberen, trockenen Innenräumen auf. Damit ein Roboter draußen, auf der Baustelle, im Regen oder in einer staubigen Werkstatt arbeiten kann, braucht er eine höhere Schutzart — was die Konstruktion jedoch erschwert, weil alle Gelenke, Sensoren und Kühlöffnungen gut abgedichtet sein müssen.
Die Umweltbeständigkeit wird deshalb vor allem bei Robotern, die in Industrie, Logistik und Außenaufgaben streben, zu einem Wettbewerbsvorteil, etwa beim Foundation Phantom, Digit oder UBTech Walker S1. Bei der Bewertung eines Roboters lohnt es sich, darauf zu achten, ob der Hersteller eine konkrete IP-Schutzart überhaupt angibt — fehlt sie, bedeutet das in der Regel, dass die Maschine nur für eine geschützte Umgebung bestimmt ist. Eine robuste Schutzart ist somit einer der Schritte auf dem Weg von der Labordemonstration zum Einsatz eines Humanoiden in der realen, schmutzigen und feuchten Welt.