Ein taktiler Sensor ist ein Gerät, das Berührung erfasst — also Kontakt, Druck und in fortgeschrittenen Ausführungen auch Schlupf, Vibration oder die Textur der Oberfläche. Für den Roboter erfüllt er die Funktion des Tastsinns, eines Sinnes, den Menschen für selbstverständlich halten, der aber für eine zuverlässige Manipulation absolut entscheidend ist. Wenn er eine größere Fläche des Roboters bedeckt, spricht man von künstlicher Haut (Electronic Skin, E-Skin).
Der Tastsinn ist bei der Manipulation unersetzlich. Wenn wir ein Glas anheben, regulieren wir ständig unbewusst die Griffkraft danach, ob es uns nicht entgleitet — und wir tun das gerade dank des Tastsinns in den Fingern, nicht mit dem Auge. Ein Roboter ohne taktile Rückmeldung ist im Nachteil: Einen zerbrechlichen Gegenstand lässt er entweder fallen oder zerdrückt ihn, weil er nicht erkennt, wie fest er ihn hält. Deshalb werden geschickte Hände mit taktilen Sensoren in Fingern und Handfläche ausgestattet, damit der Endeffektor den Griff fein anpassen kann.
Es gibt mehrere Technologien zur Berührungserfassung. Resistive und kapazitive Sensoren messen die Änderung elektrischer Eigenschaften beim Zusammendrücken, optische Sensoren verfolgen die Verformung einer elastischen Oberfläche mit einer Kamera, andere nutzen die Erfassung des Magnetfelds. Das Ziel ist eine möglichst große Dichte und Empfindlichkeit bei gleichzeitiger Robustheit und vernünftigem Preis. Tesla fügte den Fingern des Optimus eine weiche Schutzschicht hinzu, die die taktile Erfassung erhält und es ermöglicht, auch mit zerbrechlichen Gegenständen umzugehen; auf die getreue Nachbildung des menschlichen Tastsinns setzt auch der Phoenix von Sanctuary AI.
Taktile Sensoren sind mit den Kraft-Momenten-Sensoren verwandt, unterscheiden sich aber im Maßstab: Ein F/T-Sensor misst die Gesamtkraft im Handgelenk, während ein taktiler Sensor die Druckverteilung auf der Oberfläche der Finger kartiert. Die Entwicklung künstlicher Haut ist einer der anspruchsvollen Bereiche der Robotik — neben der Empfindlichkeit müssen die Sensoren Tausende von Berührungen ohne Verschleiß bewältigen und Daten ausreichend schnell liefern. Ein guter Tastsinn ist dabei einer der Schlüssel dazu, dass die verkörperte Intelligenz (Embodied AI) wirklich geschickte Arbeit in der realen Welt bewältigt.